Wenn man auf der Suche nach Gott alle Religionen der Welt kennen lernen und alle heiligen Bücher lesen müsste, die irgendwann einmal geschrieben wurden, würde man nie fertig. Wo sollte man anfangen? Beim Glauben der Maya, den alten Schriften aus Indien, den Lehren aus China? Oder vielleicht der Religion der alten Ägypter, dem Koran, oder der Bibel?

Für mich beginnt die Frage nach Gott nicht mit einem hochintellektuellen Studium, sondern damit, meinen Blick auf die Dinge um mich herum zu richten. Die Berge, die Bäume, die Blumen, und schließlich: Meine Mitmenschen – was bedeutet das alles? Die Welt hätte ja nicht so sein müssen, wie sie ist. Alles in Grautönen, ohne blauen Himmel, ohne Schönheit und Liebe – hätte das nicht auch gereicht?

Nein. Irgend jemandem hat es offensichtlich nicht gereicht. Derjenige, der das Leben wollte, wollte, dass es bunt und vielfältig ist. Und ohne einen solchen "Jemand" hätte all das Bunte, die Vielfalt und die Schönheit ja auch keinen Sinn.

Gott suchen ist nicht schwer. Jesus hat einmal gesagt: "Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in Gottes himmlisches Reich kommen" (Matthäus 18,3). Kinder lesen keine abgehobenen Schriften und denken nicht in überaus komplizierten Mustern. Und trotzdem sind sie es, die Gott sehr nahe stehen. Für alle Erwachsenen kann das nur heißen: Gott suchen ist keine Geheimwissenschaft. Es ist ganz leicht.

Kinder vertrauen einfach. Und ich glaube, so ist es auch bei Gott: Man muss ihm nur vertrauen, jeden Tag und jedes Jahr neu. Wenn er schon das Universum geschaffen hat, wieso sollte er nicht wissen, was den Menschen bewegt? Und über dieses "Gott-vertrauen" kann man tatsächlich etwas in der Bibel lesen.

Christian Seiler
Januar 2018